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Alles fing mit einem Mantel an

Im Winter 2015 ist meine älteste Tochter gerade 2 Jahre alt geworden. Kinder wachsen in dem Alter noch wie Unkraut und da musste natürlich auch zeitnah wieder eine neue Winterjacke her. In einem Geschäft für Kinderkleidung in Hagen stolperte ich über einen lila-grauen Wollmantel mit rosa Punkten. Der Mantel war mit einem hochstehenden Kragen versehen, drei große Knöpfe zierten die Vorderseite und hinten war der Mantel mit einem kurzen Band tailliert – Größe 80 (fiel aber groß aus). Er war leicht gefüttert, von innen mit einem lila Polyester-Futter. Ein wirklich wunderschönes Teil. Verliebt, gekauft, und meiner Tochter gezeigt. Sie liebte den Mantel und bei jeder Gelegenheit wurde das Ding getragen: Erster Kindergartentag, ihr zweiter Geburtstag, Weihnachten – mit dem Mantel war sie überall der Hingucker – dadurch, dass sie so ein Zwerg ist, sogar noch im Folgejahr. Er war sportlich, feminin, schick, aber auch nicht zu sehr russischer Zarenmantel, als dass man seine Tochter damit nicht laufen lassen könnte.

Jeder verliebte sich in den Mantel

Ich war also völlig verliebt in den Mantel und bin es bis heute. Und sehr bald merkte ich, dass ich nicht alleine war. Viele Menschen, die uns begegneten – bekannt oder unbekannt – sprachen uns auf den süßen Mantel an. Beim Einkaufen, im Kindergarten, bei der Kinderärztin, alle fragten uns wo es sowas tolles für Kinder gibt. Soweit noch normal, meine kleine Tochter wurde mit dem Mantel noch hübscher, als ich es als Mutter eh schon empfinde und war überall ein kleiner Modestar.

„Den würde ich auch tragen“

Was mich zu Beginn schmunzeln ließ, entwickelte sich dann aber auch schnell zu einer neuen Idee. Viele Menschen begegneten mir nach dem ersten „Och wie süß“ mit einem zweiten Satz: „Den würde ich auch tragen“ oder „den könnten Sie auch tragen“. Zuerst freut man sich oberflächlich über den netten Zuspruch, dann habe ich angefangen weiter darüber nachzudenken.

Warum eigentlich nicht? Warum tragen Mama und Tochter nicht gleiche oder passende Kleidung? Jeder kennt die in die Jahre gekommenen Pärchen an den deutschen Stränden, die die gleiche Outdoor-Jacke tragen. Warum zieht man Zwillinge gleich an, Geschwister aber nicht? Warum tragen Mama und Tochter also nicht auch die gleiche Kleidung?

Mädchenhafte Grazie gegen moderne Einhornkotze

Kinderkleidung ist heute häufig mit großen Applikationen übersäht (ist bei Jungen übrigens noch viel schlimmer als bei Mädchen) – große Superhelden oder Fernsehfiguren, glänzende, glitzernde Applikationen, riesige Einhörner, Katzen oder ähnliches. Mädchenabteilungen in Kaufhäusern sind ein Meer aus glitzerndem, glänzendem rot, rosa, lila an Kleiderständern – ich sage immer liebevoll „Einhornkotze“ zu diesem Klamottentypus. Daneben gibt es natürlich noch die Basics – einfarbige Langarmshirts oder Bodys, die durch unkreative Schnitte sind was sie sind: Basics.
Wirklich selten jedoch, gibt es schöne Kleider, die einen dezenten Look haben, aber gerade dadurch diese kindliche Grazie unterstreichen. Die kleinen Ladys können mit schönen Outfits doch so wunderbar aussehen. Warum macht man aus Ihnen diese blinkenden Litfaßsäulen? Weiche, fließende Stoffe in zarten Creme- und Rosétönen lassen die Mädels doch so zauberhaft erscheinen.

Und es sind genau diese Stoffe, Farben und Kombinationen, die man als Mutter doch auch tragen würde. Knielange Röcke, fließende Tops, einfarbige Strickpullover, Basics mit einem pfiffigen Detail oder außergewöhnlichem Schnitt.

Eben wie unser geliebter Mantel – genau diese Klamotten würde ich auch tragen. Und das war der Anfang von Mommy & Me…

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